08 February 2009

Universität für Meditation

Die Reise des Donovan

Er meditierte mit den Beatles in Indien und seine Songs wurden Sinnbild für eine ganze Generation, die von grenzenloser Liebe und Weltfrieden träumte. Donovan prägte maßgeblich die wilden 60er Jahre und hat auch im Jahre 2008 noch aufregende Pläne.

Folkrock-Saenger Donovan tritt am 3. Oktober 2005 in London auf.
Folkrock-Sänger Donovan am 3. Oktober bei einem Konzert in London (Foto: AP)

Von Henrik John Hohl

Und wieder einmal waren die Beatles „schuld“! „The Cock“ hieß der Pub, in dem sich Donovan vor seinem Durchbruch als Sänger gerne die Nächte um die Ohren schlug, bis in die frühen Morgenstunden wurde im Hinterzimmer der Kneipe getanzt und gelacht und, wie es nicht anders zu erwarten war, floss dabei auch reichlich Alkohol. Als er eines Abends die Treppe zu seinem Zimmer hinauf schwankte, hörte er aus einem Radio im Nachbarzimmer „Love me do“ von den Beatles. „Ich setzte mich auf die Stufen und war sprachlos. Genau das will ich machen, dachte ich bei mir. Es ist so einfach und auf den Punkt. Diese Klarheit! So will ich zu meiner Generation singen.“ Ein Wunsch war ebenso geboren wie eine Mission. „Wenn ich an diese Zeit zurück denke, muss ich feststellen, dass die Energie quasi explodiert ist“, erinnert sich Donovan im Gespräch mit BUNTE Online. „Wir lebten damals in einer sehr konventionell konditionierten Gesellschaft, und eine ganze Generation mit neuen Ideen wurde auf die Welt losgelassen. Ich denke nicht, dass etwas ähnliches heute noch einmal passieren könnte.“

Vielleicht war es dieser Moment auf der Treppe mit dem Beatles-Song im Ohr, in dem eine der erfolgreichsten und außergewöhnlichsten Musiker-Karrieren ihren Anfang gefunden hatte. Besonders zwischen 1965 und 1970 landete der Folk-Sänger mit Songs wie „Catch the Wind“, „Mellow Yellow“ oder „Hurdy Gurdy Man“ einen Hit nach dem anderen. Regisseur Hannes Rossacher hat nun das bisherige Leben von Donovan in einem Film mit dem Titel „Sunshine Superman – The Journey of Donovan“ dokumentiert, der in einer DVD-Box im Handel erhältlich ist. Neben vielen Originalaufnahmen aus den wilden 60er und 70er Jahren lässt Donovan seine bisherige Karriere, oft an Originalschauplätzen, Revue passieren.

Anfänge und Indien

Brian Jones von den Rolling Stones und Donavan
In bester Gesellschaft: Donovan mit Brian Jones von den Rolling Stones (Foto: AP)

Am 10. Mai 1946 kam im schottischen Glasgow ein Junge zur Welt, der den Lauf der Musikgeschichte maßgeblich beeinflussen sollte. Als Donovan Phillips Leitch wurde er geboren, als Donovan begann er seine einzigartige Karriere. Fast wäre daraus nichts geworden, denn als Kind litt Donovan wie so viele Kinder im Europa der Nachkriegszeit durch eine falsche Impfung an Kinderlähmung. Doch er ließ sich nicht beirren und verfolgte sein Ziel und seine Mission als Künstler.

Unbestritten waren die Jahre zwischen 1965 und 1970 nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die turbulenteste Zeit in Donovans Karriere. Gefeiert auf den Bühnen für seine Musik, verfolgt von den Gesetzeshütern wegen Drogenkonsum, die internationale Presse und Öffentlichkeit konnte nicht genug bekommen von neuen Episoden aus dem Leben des Superstars. Eines der wohl aufregendsten Kapitel spielte sich 1968 in Indien ab, wo Donovan mit den vier Beatles sowie dem Beach Boy Sänger Mike Love und der Schauspielerin Mia Farrow mehrere Wochen im Aschram des Gurus Maharishi Mahesh Yogi verbrachte. „Sechs Wochen im indischen Dschungel mit unseren Gitarren im Gepäck, um zu meditieren! Das öffentliche Interesse war so groß, Journalisten aus aller Welt waren uns gefolgt, die erst nach einigen Tagen wieder abzogen, als die indische Armee auf Bitten des Gurus sie zur Heimreise bewegen konnte“, erinnert sich Donovan im Gespräch mit BUNTE Online. „An der Lehre der Transzendentalen Meditation waren George Harrison und ich wohl eher interessiert als etwa John Lennon oder Paul McCartney“, schmunzelt er.

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60's Singer Donovan arriving at BBC Radio Two with his entourage and guitar to perform on the show.
Auch mit 62 Jahren kein bisschen leise: Folksong-Legende Donovan (Foto: www.splashnews.com)

Dennoch war der Aufenthalt für alle eine solch außergewöhnliche Erfahrung mit folgenschweren Nachwirkungen, denn Beatles fanden künstlerisch zu ihren akustischen Folkwurzeln zurück und veröffentlichten noch im selben Jahr das berühmte „White Album“, das von Musikkritikern als eines ihrer besten Werke angesehen wird. Außerdem brachte Donovan John Lennon und Paul McCartney diverse finger-picking Techniken bei. Keine Frage, die Musikgeschichte hätte ohne diese intensiven indischen Wochen einen völlig anderen Verlauf genommen.

Als in den 70er Jahren mit dem Aufkommen der Punkbewegung der Geist der allliebenden Flower-Power Bewegung mehr und mehr ins Hintertreffen geriet, verlor auch Donovans Musik an Popularität. Doch sollte es gerade der Aufenthalt in Indien sein, der Donovan auch heute noch beschäftigen würde: „Als ich Indien damals verließ, sagte Maharishi zu mir, ich solle ihm in Schottland eine Universität für Meditation bauen.“ Zurzeit arbeitet der Flower-Power Superstar eben an dem Aufbau einer solchen Universität, an der Transzendentale Meditation im Mittelpunkt der Lehre stehen soll. Prominente Unterstützung hat er dabei schon gefunden: Nicht nur Popstar Moby, sondern auch Regisseur David Lynch stehen Donovan dabei tatkräftig zur Seite.

BUNTE 23.10.2008

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